Was ist Twang 


Twang hilft dir gerufene hohe Töne stabil zu halten 


Twang ist eine Gesangstechnik, die dir dabei hilft, hohe Töne mit Power, aber ohne Druck zu erreichen.

Der aryepiglottische Sphinkter – auch Trichter genannt – befindet sich oberhalb der Stimmlippen. In der Zeichnung unten ist dieser Bereich blau dargestellt. Er wird durch eine Membran gebildet, die zwischen den Aryknorpeln und dem Kehldeckel gespannt ist.
Wenn sich die Aryknorpel dem unteren Teil des Kehldeckels annähern, verkleinert sich die Öffnung dieses Trichters – und Twang entsteht.

Man kann sich das ein wenig wie bei einem Wasserschlauch vorstellen: Wenn du den Schlauch leicht zusammendrückst, wird der Wasserstrahl stärker und fokussierter. Ähnlich verhält es sich bei der Stimme. Durch die Verengung im oberen Bereich des Vokaltrakts wird der Klang gebündelt.

Für eine flexible und gesunde Gesangstechnik spielt Twang eine wichtige Rolle. Man unterscheidet dabei zwischen einem notwendigen Twang, der für eine stabile Stimmlippenfunktion sorgt, und einem stärker ausgeprägten Twang, der bewusst als Klangfarbe eingesetzt wird. Je stärker der Twang, desto heller und schärfer wird der Klang.

Ein wichtiger Effekt von Twang ist die Veränderung der sogenannten Sängerformant-Region. Dabei steigt die Energie im Frequenzbereich zwischen etwa 2000 und 4000 Hertz. Genau in diesem Bereich ist das menschliche Ohr besonders empfindlich. Der Ton wird dadurch für dich und Zuhörer deutlich präsenter wahrgenommen, auch wenn du physisch nicht mehr Kraft aufwendest.

Zusätzlich verändert sich die Druckverteilung im Vokaltrakt. Durch die Verengung im Bereich des aryepiglottischen Sphinkters steigt der supraglottische Druck – also der Druck oberhalb der Stimmlippen. Dieser wirkt stabilisierend auf die Stimmlippenschwingung und unterstützt den subglottischen Druck, also den Luftdruck unterhalb der Stimmlippen.

Das Ergebnis ist ein Klang, der sich fokussierter, tragfähiger und oft auch müheloser anfühlt – besonders in höheren Tonlagen oder in kraftvollen Passagen.

Ein gutes Beispiel für einen twang-geprägten Sound im Worship-Gesang findet man bei vielen aktuellen Worship-Produktionen. Wenn du dir zum Beispiel Corey Asburys Song „Egypt“ anhörst, besonders in den kraftvollen Passagen, kannst du diesen klar gebündelten und präsenten Stimmsound gut wahrnehmen. Die Stimme setzt sich auch über einer vollen Band sehr gut durch.

Ein weiteres Beispiel ist der Song „Ain’t No Grave“, der unter anderem von Bethel Music mit Molly Skaggs gesungen wird. In den intensiveren Stellen hört man deutlich diese charakteristische Schärfe und Fokussierung im Klang.
Gerade im Worship-Gesang ist Twang ein wichtiger Faktor, weil viele Songs dynamisch aufgebaut sind und sich die Stimme auch in kraftvollen Momenten frei und tragfähig anfühlen soll.

Tipps du Twang finden kannst: 

  • Über die Position deiner Zunge:

ege deine Zunge wie eine Rutschbahn in deinen Mund. Der hintere Teil der Zunge ist dabei leicht angehoben und liegt breit an den oberen Backenzähnen an. Die Zungenspitze berührt locker die unteren Schneidezähne. 

  • Über das Imitieren von Geräuschen

Lass deine Zunge in dieser Position und imitiere einmal bewusst den Klang eines amerikanischen Feuerwehrautos, einer nervigen Katze oder eines quengelnden Babys. Du kannst auch mehrmals „Ney“ sagen. Achte dabei darauf, wie deine Stimme plötzlich schärfer, klarer und präsenter wird, ohne dass du dich stärker anstrengen musst.

Beachte:
Twang in dieser Übungsform klingt nicht „schön“. Versuche also gar nicht erst, den Klang ästhetisch zu gestalten. In dieser Übung haben Hauchigkeit und Vibrato keinen Platz.

Wichtig:
Wenn es im Hals kratzt oder sich unangenehm anfühlt, ist das ein Zeichen dafür, dass es nicht richtig ist! 
Singen sollte sich immer komfortabel und frei anfühlen